Frisches Brot auf Rädern - General-Anzeiger vom 30.01.2014

 

Mobiler Händler in Rheinbreitbach

Von Dennis Betzholz


RHEINBREITBACH. Als Edith Walzl noch in den Mittfünfzigern war, gab es im Rheinbreitbacher Ortskern drei Bäckereien, zwei Metzger, ein großes Lebensmittelgeschäft und mehrere Tante-Emma-Läden.

Alles an Bord: Sebastian Hermes (rechts) in seinem Verkaufsmobil. Andreas Nagel ist einer der Kunden. Foto: Frank Homann

Heute ist sie 75 Jahre alt - und das, was von alldem geblieben ist, lässt sich leicht überschauen: Ein Bäcker, der nur halbtags geöffnet hat. Kein Metzger. Ein Supermarkt, der für Senioren ohne Auto nur schwerlich zu erreichen ist. Und nun, zu allem Überfluss, hat im Dezember auch der letzte Tante-Emma-Laden geschlossen.

Die Inhaberin ist erkrankt, eine Aushilfe macht den Laden seit Kurzem immerhin an drei Tagen pro Woche jeweils für vier Stunden auf. Der Ortskern blutet aus. Mit dieser Entwicklung ist Rheinbreitbach nicht allein. Wie anderen eher ländlichen Gemeinden fehlt ihr der Masterplan, dies zu ändern. Doch nun gibt es zumindest vorübergehend eine Lösung, die den Bedarf an frischen Lebensmitteln decken soll: Ein Frischewagen, der dienstags ab 12.30 Uhr für eine halbe Stunde unterhalb der Kirche Halt macht - auf der Durchfahrt von Rhöndorf nach Unkel.

Mobiler Händler in Rheinbreitbach: Frisches Brot auf Rädern | GA-Bonn - Lesen Sie mehr auf:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/region/noerdlicher-kreis-neuwied/unkel/frisches-brot-auf-raedern-article1254698.html#plx1928872537

Alles an Bord: Sebastian Hermes (rechts) in seinem Verkaufsmobil. Andreas Nagel ist einer der Kunden. Foto: Frank Homann

 

Heute ist sie 75 Jahre alt - und das, was von alldem geblieben ist, lässt sich leicht überschauen: Ein Bäcker, der nur halbtags geöffnet hat. Kein Metzger. Ein Supermarkt, der für Senioren ohne Auto nur schwerlich zu erreichen ist. Und nun, zu allem Überfluss, hat im Dezember auch der letzte Tante-Emma-Laden geschlossen.

Die Inhaberin ist erkrankt, eine Aushilfe macht den Laden seit Kurzem immerhin an drei Tagen pro Woche jeweils für vier Stunden auf. Der Ortskern blutet aus. Mit dieser Entwicklung ist Rheinbreitbach nicht allein. Wie anderen eher ländlichen Gemeinden fehlt ihr der Masterplan, dies zu ändern. Doch nun gibt es zumindest vorübergehend eine Lösung, die den Bedarf an frischen Lebensmitteln decken soll: Ein Frischewagen, der dienstags ab 12.30 Uhr für eine halbe Stunde unterhalb der Kirche Halt macht - auf der Durchfahrt von Rhöndorf nach Unkel.

Er hat frisches Brot, Wurst, Käse, Gemüse, Fleisch im Angebot, eben all das, was derzeit im Rheinbreitbacher Ortskern nicht erhältlich ist. Organisiert hat das Andreas Nagel. Der CDU-Mann, der im Mai die Nachfolge von Ortsbürgermeister Karsten Fehr anstrebt, wurde gefragt, ob er in seinem Schreibwarengeschäft nicht auch Lebensmittel anbieten könne.

Weil doch gerade die älteren, teils gehbehinderten Rheinbreitbacher keinen Zugang mehr zu frischer Ware hätten. Er verneinte, kümmerte sich aber um eine Alternative. "Solange keine ausreichende Versorgung besteht, werden wir von dem Unternehmen beliefert", sagt Nagel über den mobilen Service. In speziellen Fällen fährt der Wagen sogar bis zur Haustür der Kunden.

Etwa 160 Menschen beliefert Sebastian Hermes, der Fahrer des Eifeler Frischdienstes, durchschnittlich an einem Dienstag. Von Rhöndorf und Bad Honnef über Unkel, Heister sowie Erpel-Orsberg fährt das "Essen auf Rädern". Insgesamt sind nach eigenen Angaben der Firma 25 Fahrzeuge zeitgleich in Deutschland, Belgien und Luxemburg unterwegs. Edith Walzl und die anderen Kunden in Rheinbreitbach sind dankbar für das Angebot: "Hier wohnen viele ältere Menschen, die darauf angewiesen sind. Ich finde das fantastisch."

Die Idee macht Schule: Bei Andreas Nagel riefen bereits drei Ortsbürgermeister aus dem Raum Neuwied an, die sich auch für den Frischewagen interessieren. Rheinbreitbach ist mit dem Problem eben nicht alleine.

Nur: Ist das Ladensterben in Rheinbreitbach in den Griff zu kriegen? "Schwierig", seufzt Nagel. "Supermärkte auf der grünen Wiese ziehen Kundschaft ab. Wer heute noch ein Geschäft aufmacht, ist selbst schuld", sagt der 28-Jährige. Er betreibt ein Tabaklädchen und würde es sich gut überlegen, ob er es heutzutage erneut eröffnen würde, wie er sagt.

Artikel vom 30.01.2014