Brot und Wurst direkt vor der Haustür in Alfter, Generalanzeiger vom 11.02.2011

von Ilse Mohr, General-Anzeiger

helmut probst

Foto: Wolfgang Henry

Alfter. Klappe auf: Es duftet nach frischem Brot und Gebäck bis auf die Straße. Schon gehen die ersten Haustüren auf. Eisiger Wind schmälert an diesem Freitagmorgen in Alfter die Einkaufsromantik vor der Haustür. Doch die Stammkundschaft hat Beutel und Portemonnaie griffbereit und weiß, was sie will: Feines Schwarzbrot oder Stollen beispielsweise, Sechskornbrot oder ein Weizenmisch.

Backwaren sind die gefragtesten Artikel und füllen fast die Hälfte des Warenangebotes im Transporter des Eifeler Frischdiensts. Seit 25 Jahren ist Helmut

Probst (48) damit im Vorgebirge und einigen Bonner Stadtteilen unterwegs und hält überall dort, wo Kunden diese Einkaufsmöglichkeit regelmäßig nutzen wollen.

Eine scheppernde Schelle kündigt sein Kommen an. Darauf verlassen sich vor allem ältere Kunden schon seit vielen Jahren. Natürlich könnte sie auch in den Ortskern gehen, "aber das Brot aus der Eifel schmeckt besser", findet Marlene Reinold (78).

Die Anwohnerin des Görreshofs kauft auch Eier und Stollen, Kirschstreusel und Sülze, Milch und Speck. Nachbar Gerd Reuter (47) holt sich am Wagen regelmäßig sein Schwarzbrot. "Wenn er denn hält", sagt er und zwinkert Helmut Probst zu. Der allseits bekannte Fahrer war in der Vorwoche im Urlaub, und die Vertretung hatte vor Reuters Haus versehentlich nicht gehalten.

Der Geschmack der Eifeler Backwaren überzeugt seit Jahren auch Bernhard Schlich (64), Reiner Kromm (72) und Salomé Schneider (71), die ein Stück höher auf dem Görreshof wohnen. "Vor allem in unseren Broten aus Natursauerteig steckt noch viel Handarbeit. Das kommt gut an", sagt Helmut Probst. Er fährt für den 1991 von Friedhelm Hermes mit Sitz in Habscheid/Eifel gegründeten Frischdienst.

Propst ist seit sechs Uhr in der Früh unterwegs und bedient freitags in Alfter, Gielsdorf und Oedekoven rund 70 Kunden. An anderen Tagen ist er auch in Bornheimer Stadtteilen auf Tour. "Das ist praktisch", meint Katharina Fuhs (85), die zum Gehen einen Stock benötigt, zum Einkauf vor der Haustür. Mit Blick auf den Dioxin-Skandal schwört sie außerdem auf die Eifeler Eier: "Da braucht man keine Bedenken haben."

Die Qualität und zu wissen, wo die Waren herkommen, das schätzt auch Salomé Kitz (78). Für ihren Geburtstag bestellt sie Kuchen vor und fragt Probst zum Abschluss: "Wann bringen Sie mal warmes Wetter mit? Dann ginge es mir besser."

Probst weiß, dass die Sozialkontakte wichtig sind, und er hört seiner Kundschaft gerne zu. Er erlebt aber auch, dass sich Nachbarn oft die ganze Woche nicht sehen. "An meinen Wagen treffen sie sich dann und halten ein Schwätzchen."

Probst bringt die Einkäufe auch schon mal ins Haus und leistet Hilfe bei kleinen Handgriffen. Umgekehrt kann er mit Unterstützung rechnen, wenn er wie diesen Winter im Schnee stecken bleibt. Die Touren mit den unzähligen Stopps, das Rauf- und Runterkurbeln der Verkaufsklappe, sind anstrengend, vor 19 Uhr ist er meist nicht zurück in der Eifel. "Aber das hält fit", meint er. Außerdem ist er gern draußen. Bis nächste Woche dann. Klappe zu.

 

Der EIFELER FRISCHDIENST

1978 gründete Herbert Hermes den Eifeler Frischdienst und baute ihn mit seinem Bruder Friedhelm 1985 weiter aus. Seit 1991 betreiben die Brüder jeweils eigene Unternehmen. Im Vorgebirge ist die Wagenflotte der Hermesbrüder seit Anfang der 1980er Jahre unterwegs.

Das Angebot umfasst bis zu 600 Produkte. In den einzelnen Wagen ist das Sortiment jedoch nicht so groß, es wird nachfragebedingt zusammengestellt.

Wer regelmäßig vor seiner Haustür an der rollenden Theke einkaufen möchte, muss sich vorher anmelden: Rufnummer (0 65 56) 76 75. Weitere Infos unter www.eifeler-frischdienst.de.

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